Übersetzungen

Mit seinen Büchern, seinen Geschichten für Menschenkinder, hat Otfried Preußler Millionen von Kindern in aller Welt erreicht. Nicht umsonst hat Heinrich Pleticha ihn als ‚Brückenbauer’ zwischen den Nationen und Kontinenten bezeichnet.

 

Preußler-Bücher in Litauen

Anmerkungen des litauischen Übersetzers Teodorus Cetrauskas, 1993

 

"Der Name des Schriftstellers Otfried Preußler ist in Litauen seit Anfang der siebziger Jahre, mit dem Erscheinen des Buches 'Der kleine Wassermann’, bekannt. Das Buch war nach wenigen Tagen ausverkauft und hätte gleich nochmals aufgelegt werden können – und dies bei einer Startauflage von 30 000 Exemplaren. Die damalige Politik bei unserem einzigen Verlag für schöngeistige Literatur schrieb jedoch vor, dass die Bücher eines jeden Autors ohne Rücksicht auf seine Beliebtheit erst nach Jahren erneut herausgegeben oder wiederholt werden durften. Darum musste man fast zehn Jahre auf 'Die kleine Hexe’ warten, die genauso schnell verkauft wurde.

Dann kamen ein bisschen bessere Zeiten (Wende, Unabhängigkeit usw.). Seitdem ist Professor Otfried Preußler –ob Sie mir glauben oder nicht – der meistveröffentlichte Autor in Litauen überhaupt. “

 

Begegnungen mit dem Räuber Hotzenplotz

Anmerkungen des japanischen Übersetzers Kozo Nakamura, 1993

 

"Als 1965 der japanische Kinder- und Jugendbuchautor Yasuo Maekawa, von seiner Deutschlandreise nach Tokio zurückgekehrt war, kam er zu mir, um mich davon zu überzeugen, die Übersetzung der Werke von Otfried Preußler zu übernehmen. Er war der Meinung, in Japan fehle es in der Literatur für Kinder an spannenden Geschichten mit Phantasie und liebevollem Humor... So kam es dazu, dass ich, der ich als Germanist bis dahin keinerlei Kontakt mit der deutschen Kinderliteratur der Gegenwart hatte, mich daranmachte, den 'Räuber Hotzenplotz’ zu übersetzen.

Unser beider Wunsch ging erfreulicherweise in Erfüllung: Das Buch 'Der Räuber Hotzenplotz’ wurde von den japanischen Kindern mit Begeisterung aufgenommen. Obwohl die allen deutschen Kindern vertrauten Namen wie 'Kasperl’ und 'Seppel’ japanischen Kindern völlig neu und fremd waren, konnten sie sich mit den beiden Helden ohne weiteres identifizieren. Selbst die für sie sehr seltsam klingenden und äußerst schwierig auszusprechenden Namen wie 'Hotzenplotz’ oder 'Petrosilius Zwackelmann’ machten ihnen als Zungenbrecher großen Spaß....

Alle Bücher Preußlers in japanischer Übersetzung ziehen auch heute noch viele Kinder an und gehören wohl zu den meistgelesenen Büchern der Kinder- und Jugendliteratur in Japan. “

 

 

In Russland unter einem guten Stern

Anmerkungen der russischen Übersetzerin Elvira I. Ivanova, 1993

 

„Otfried Preußlers Bücher stehen in Russland unter einem guten Stern. Als erstes kam die kleine Hexe auf ihrem Hexenbesen zu uns geritten. Bei der Landung waren ihr Juri Korinetz und die Kinderzeitschrift 'Murzilka’ behilflich. Drei Millionen 'Murzilka’-Exemplare im Monat sind keine Kleinigkeit – und schon hatte Otfried Preußlers ausgelassene Heldin mindestens doppelt so viele Verehrerinnen und Verehrer in Russland gefunden. Dem kleinen Wassermann und dem kleinen Gespenst war der gleiche Weg beschieden...

Ein glänzender Anfang? Ganz ohne Zweifel. Doch hinterher gab es Schwierigkeiten. Der Antrag auf die Veröffentlichung von 'Räuber Hotzenplotz’ wurde unter dem lächerlichen Vorwand abgewürgt, russische Kinder könnten unmöglich verstehen, dass eine Kaffeemühle für Kasperls Großmutter eine solch außergewöhnliche Kostbarkeit darstelle.

Mit 'Krabat’ war es noch schwieriger... Es war verboten, sowjetischen Kindern von Krankheit, Tod und Unglücksfällen zu erzählen; grundsätzlich waren sie fernzuhalten von aller Betrübnis, allen Schattenseiten des Lebens...

Dennoch konnte 'Krabat’, ausgestattet mit den prächtigen Illustrationen von Lev Tokmakov, doch noch auf Russisch erscheinen, allerdings mit einigen bezeichnenden Korrekturen: So durften unsere Kinder unter keinen Umständen mit dem Selbstmordversuch eines der Mühlknappen konfrontiert werden. Noch weit schlimmere Unannehmlichkeiten standen Krabat bevor. Zu seinem Pech fand kurz nach Erscheinen seiner Geschichte der nächst Kongreß von Partei und Gewerkschaft statt. Den Delegierten wurde das ideologisch unbequeme Buch als Geschenk überreicht und dies hatte ein absolutes Verdammungsurteil zur Folge.

 

Wie ging es weiter? Unter dem donnernden Applaus des westlichen Publikums begann Herrn Gorbatschows Ära der Heuchelei, womit der Untergang populärer Journale – auch für Kinder – einsetzte, der Zusammenbruch der offiziellen Verlage, der Sturz aller bisherigen Dogmen. Und alsbald haben, befreit von den bisherigen ideologischen Komplexen ihren wirtschaftlichen Vorteil witternd, ausschließlich kommerziell orientierte Verlage in Russland versucht, das Versäumte nachzuholen... Auch Otfried Preußlers Bücher zogen die Aufmerksamkeit vieler neuer Verlage auf sich.“