1970 bis 1979

 

Seit den 70er Jahren tritt Otfried Preußler auch als Autor von Jugend- und Erwachsenenromanen an die Öffentlichkeit. Sein 1971 erschienener Roman um den sorbischen Zauberlehrling 'Krabat' wird zu einem seiner wichtigsten Werke.

 

 

 

Er greift darin einen Stoff aus dem Sagenkreis der Lausitzer Wenden auf, den er bereits in seiner Kindheit kennengelernt hatte.  Zehn Jahre liegen zwischen den ersten Überlegungen und dem Erscheinen des Buches.

"Mein 'Krabat' ist keine Geschichte, die sich nur an junge Leute wendet, und keine Geschichte für ein ausschließlich erwachsenes Publikum. Es ist die Geschichte eines jungen Menschen, der sich mit finsteren Mächten einlässt, von denen er fasziniert ist, bis er erkennt, worauf er sich da eingelassen hat.

Es ist zugleich meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation, und es ist die Geschichte aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken."

 

Für 'Krabat', der in 37 Sprachen übersetzt wurde, erhält er zahlreiche internationale Auszeichnungen:

  • Deutscher Jugendbuchpreis 1972
  • Polnischer Jugendbuchpreis 1972
  • Europäischer Jugendbuchpreis 1973
  • Silberner Griffel von Rotterdam 1973
  • Notable Book of 1973 – American Library Association
  • Jugendbuchpreis des polnischen Verlegerverbandes 1977

In 'Die Flucht nach Ägypten - Königlich böhmischer Teil' wendet sich Otfried Preußler 1978 erstmals einem erwachsenen Publikum zu. Mit barocker Fabulierfreude lässt er die Flucht der Heiligen Familie durch seine böhmische Heimat führen.

Für ihn ist es dabei ganz selbstverständlich, dass König Herodes seinen Kollegen, Kaiser Franz Joseph in Wien, um Amtshilfe bei der Ergreifung und Rückführung der bethlehemitischen Flüchtlinge ersucht. Ein Ansuchen, das zu zahlreichen irdischen und himmlisch-höllischen Verwicklungen führt. 

Die Heilige Familie zieht topographisch genau durch Nordböhmen, sie zieht aber zugleich durch jene kleinen "Großen Welttheater", wie sie in den traditionellen böhmischen Weihnachtskrippen aus Preußlers Kindheit vorkommen.

1976 wird in Dillenburg die erste Schule nach ihm benannt. Weitere Otfried-Preußler-Schulen folgen.

Im heilpädagogischen Bereich, insbesondere bei verhaltensgestörten, sprech- und hörgeschädigten Kindern, werden seine Geschichten und Figuren mit großem Erfolg eingesetzt. Psychologen und Heilpädagogen nutzen die spielerischen Möglichkeiten der Erzählungen auch in ihrer therapeutischen Arbeit mit Erwachsenen.

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